Grundeinkommen in der ARENA SF

Arena vom 27.04.2012

 

In der ARENA-Sendung vom 27. April 2012 wurde die Eidgenössische Volksinitiatie „für ein bedingungsloses Grundeinkommen“ (an)diskutiert. Würden die Menschen dann noch arbeiten, wenn sie monatlich ein bedingungsloses Grundeinkommen von 2500.- Franken bekommen? Wie wäre das zu finanzieren? Was würde es für die Schweiz perspektivisch bedeuten?

Geld für alle: Vision oder Spinnerei?

 

Es diskutierten:

Im inneren Ring eine reine Männerrunde mit:
Roger Köppel, Verleger und Chefredaktor «Weltwoche»
Ueli Mäder, Professor für Soziologie Uni BS
Rudolf Strahm, Ökonom, Alt-Nationalrat SP
Daniel Straub, Initiativkomitee «Bedingungsloses Grundeinkommen»

Im äusseren Ring:
Irène Kählin,
Vizepräsidenin der Grünen
Roman Rutz, Junge EVP, St. Gallen
Daniel Häni, Unternehmer und Mitinitiant

Kurt Regotz, Gewerkschaft Syna
Adolf Muschg
, Schriftsteller
Henrique Schneider, Gewerbeverband

Leo Müller, Nationalrat CVP Luzern
Rosemarie Quadranti, Nationalrätin BDP Zürich
Jürg Stahl, Nationalrat SVP Zürich

Moderation: Urs Wiedmer

 

Zusammenfassung in der Tagesschau

„Ob in Zukunft weiterhin Leistung nach der heutigen, monetären Definition entlöhnt wird oder ob andere Ideen mehrheitsfähig werden, bleibt offen. Die sehr unterschiedlichen Verständnisse von Arbeit oder Leistung zeigen, es besteht Diskussionsbedarf. Grösster Knackpunkt scheint die Finanzierung. Die Debatte ist lanciert.“

 

Fazit von Enno Schmidt:

Die Arena Diskussion im Schweizer Fernsehen ließ bekannte Werte aufeinanderkrachen mit der Vorstellung von etwas Neuem. Die Fülle des Gewohnten punktete erst mal mehr, als die noch junge Pflanze für ein bedingungsloses Grundeinkommen.

Es bleibt festzustellen: Die Idee des Grundeinkommens ist genial. Die Menschen sind die Menschen. Das Geniale an der Idee ist derzeit, dass sie alle Professionen an einen Tisch bringt und Überzeugungen auf den Tisch bringt, dass Menschen über das Leben sprechen und ans Eingemachte kommen. Das bringt weiter. Und zeigt, was diese Idee des Grundeinkommens ist. Nämlich ein Weiterkommen. Die Herausforderung ist, das nicht mit vorschnellen Rechnungen vom Tisch zu wischen und die Keule: „Es funktioniert am besten so, wie es ist“ nicht all zu selbstgefällig zu schwingen.

 

Ein Wort zur Sendung von Daniel Häni

Die Diskussion im Studio war nicht einfach. Schon durch den Titel war eine Polarisierung vorgegeben. Ich hätte einiges besser machen können, z.B. weniger auf Herrn Köppel personalisieren und der Versuch den Gesichtspunkt der Frauen ins Spiel zu bringen gelang gar nicht. Dennoch bin ich dankbar für die Erfahrung. Ich kann daraus lernen.

Die Debatte fand nicht nur im Fernsehstudio statt, sondern auch im Forum des Schweizer Fernsehen, auf Facebook und mehr. Wir bekamen zahlreiche direkte Reaktionen und Feedbacks, von herzlicher Begeisterung und Dank bis zu wüsten Beschipfungen und „Debortaionswünschen“ nach Sibirien.

Beim Kennenlernen der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens geht es oft kontrovers und emotional zu und her. Der Vorschlag berrührt bei vielen Menschen etwas Tiefgründiges, sowohl in der Befürwortung als auch in der vehementen Ablehnung. Deshalb bin ich sicher, dass wir mit der Volksinitiative, die einen langen Weg der vielfältigen Auseinandersetzung bietet, einen guten und richtigen Weg eingeschlagen haben. Ich freue mich auf die kommenden Debatten, Einladungen und Medienberichte.

Die Online-Abstimmung bei SF ARENA stand vor der Sendung bei über 80% die der Ansicht sind, es sei eine Spinnerei. 3Tage nach der Sendung sind es nur noch 65%.

Auf alle Fälle hat die Sendung auch für das Unterschriftensammeln auf der Strasse einen Input gegeben. Vielmehr Menschen haben nun davon gehört … Unterschriftenbogen bestellen oder selber runterladen

 


Einige Zitate aus der Sendung:

Roger Köppel
“Es ist eine Spinnerei. Eine Siesta-Politik. Es wird mit gezinkten Karten gespielt.“

Daniel Straub
“Als ich das erste Mal darüber nachdachte, war ich auch skeptisch.“

Rudolf Strahm
“Wollen wir lebenslänglich Berufsrentner züchten?“

Adolf Muschg
“Es geht nicht um eine Rente, die zum Nichtstun berechtigt.“

Ueli Mäder
„Wir müssen aufpassen, das wir nicht zu schnell technikzistisch werden. Wenn wir auf die Welt kommen, sind schon andere Menschen da – das ist vielleicht eine erste narzistische Verletztung – aber wir merken, wir können gar nicht ohne andere Menschen leben. Menschen sind soziale Wesen.“

Roger Köppel
“Die Idee ist verführerisch. Für mich ist es ein Angriff auf die Menschwürde, wenn ein Mensch bedingungslos Geld bekommt. Eine Gesellschaft lebt davon, dass man erst etwas beitragen muss … Die Initiative beruht auf einem völlig falschen Menschenbild. Sie ist Gift für die Schweiz.“

Daniel Häni
„Herr Köppel ist ein Meister in der Begriffsverdrehung. Die Menschen sind nicht faul!
Das Menschenbild von Herrn Köppel ist ein Grundlagenirrtum.“

Roger Köppel
„Liberalismus heisst, dass die Leute eigenverantwortlich die Kosten ihres Lebens selber bestreiten.“

Daniel Häni
„Das ist ein Ellbogen-Liberalismus. Das Liberale braucht das Soziale und das Soziale braucht das Liberale. Das bedingungslose Grundeinkommen ist das Konzept, dass diese beiden zusammenführt und zur Entfaltung bringt.“

Roger Köppel
„Das Grundeinkommen ist die Antithese von Freiheit. Es schafft eine Gesellschaft mit Staatsabhängigen. Es ist eine planwirtschaftliche und eine Art sozialistische Methode. Es würde die Schweiz zerstören.“

Daniel Straub
“Wenn sie sagen das bedingungslose Grundeinkommen sei sozialistisch, dann haben sie sich entweder nicht auf die Sendung vorbereitet oder sie wollen einfach provozieren. Der Sozialismus hatte das Ziel alle gleich zu machen und mit Planwirtschaft zu organisieren. Das bedingungslose Grundeinkommen ermöglicht die Vielfalt. Es ist das Gegenteil von Sozialismus.“

Ueli Mäder
„Die einseitige Fixierung auf die Erwerbsarbeit hat in unserer Gesellschaft schädliche Dimensionen angenommen.“

Roman Rutz
„Grundsätzlich hat die Initiative sehr interessante Ansätze, wie z.B. für Familenarbeit und Freiwilligenarbeit, die heute wenig gewertschätzt wird. Aber das Singnal wird falsch gesetzt.“

Rosmarie Quadranti
„Wir von der BDP wollen Bildung für alle ermöglichen, aber auch Leistung honorieren. Ich habe meinen Kinder beigebracht, dass sie Geld bekommen, wenn sie etwas leisten und daneben auch ein soziales Engagement zwingend ist.“

Irène Kälin
“Ich finde die Initiative wahnsinnig spannend, auch wenn ich sehe, dass sie Risiken hat. Sie bringt einen Denkanstoss in einer Zeit, wo man merkt, dass wir das System definitiv an die Wand gefahren haben.“

Jürg Stahl
“Der Wohlstand in der Schweiz basiert auf den Tugenden der Generationen vor uns. Die bestehenden Sozialwerke sollten wir sichern.“

Adolf Muschg
“Mich ärgert die Abwehrhaltung im vorherein. Ich spreche von einer gesellschaftlichen Investition, die den Sinn hat Sachen in Frage zu stellen. Das hat nichts mit Idealismus zu tun. Wir brauchen Leute wie diese Initianten, die die Sache einmal von Grunde auf neu denken.“

Leo Müller
“Das Modell ist eine völlige Utopie. Mit dem Grundeinkommen würde man die Unterscheidung der Leistungunfähigen von den Leistungsunwilligen wegnehmen. Ihr Modell schafft falsche Anreize.“

Adolf Muschg
“Bei Meerschweinchen spricht man von Anreizen. Ich finde es unglaublich primitiv so zu argumentieren.“

Henrique Schneider
“Das System in der Schweiz funktioniert. Die Schweiz ist so Reich wie nie. Wir haben so viel Vermögen wie noch nie“.

Ueli Mäder
“Obschon der Reichtum zugenommen hat, gehen die Ausgaben für das Soziale zurück. Es geht um die Freiheit für alle nicht nur für die Betuchten.“

Kurt Regotz
“Das bedingungslose Grundeinkommen gibt eine Existenzsicherheit. Das erlaubt als junger Menschen zu überlegen, was ich will und nicht auf Teufel komm raus etwas machen zu müssen. Mit dem bedingungslosen Grundeinkommen werden die Arbeitnehmer wertvoller. Die Würde des einzelnen Menschen wird wichtiger.“

Daniel Straub
“Ich schlage dem Schweizer Fernsehen vor, eine Umfrage zu machen, Ob die Menschen sich durch ein bedingungsloses Grundeinkommen oder ohne Grundeinkommen freier fühlen.“

Roger Köppel
“Es gibt kein Gratis-Lunch. Die Leute müssen arbeiten.“

Daniel Straub
“Ich fühle mich heute Abend, wie die erste Frau in der Schweiz, die das Frauenstimmrecht vorgeschlagen hat.“

u.a.

 

 

 

 

3 Comments

  1. Roland Schärer

    Für Herrn Köppel betreffend dem sehr eigenwilligen Einsatz und der eigenen Interpretation von Wörtern, platziert am richtigen Ort in falschem Zusammenhang, wirkt es „fast“ glaubwürdig. Hier die Definition für Liberalismus. Quelle: Wikipedia – Stand 10.05.2013 (wohl noch unverfälscht von der Elite), hat aber mit dem bestreiten von Lebensunterhalt wenig zu tun. Sorry Herr Köppel, aber die Welt besteht nicht aus einer Woche und jeder möchte gesunde und nährende Früchte Ende Monat, auch wenn er hart dafür arbeitet und keiner Elite angehört.

    Der Liberalismus (lat. liber: „frei“; liberalis, „die Freiheit betreffend, freiheitlich“) ist eine politische Ideologie und Bewegung, die eine freiheitliche politische, ökonomische und soziale Ordnung anstrebt. Hervorgegangen ist der Liberalismus aus den englischen Revolutionen des 17. Jahrhunderts.[1] Leitziel des Liberalismus ist die Freiheit des Individuums vornehmlich gegenüber staatlicher Gewalt. Neben dem Konservatismus und dem Sozialismus stellt er eine der drei großen politischen Ideologien bzw. Weltanschauungen, die sich im 18. und 19. Jahrhundert in Europa herausgebildet haben, dar.

  2. Roland Schärer

    Ist es tatsächlich so dass politisieren bedeutet dem NICHT ZU-HÖREN zu frönen, nur um den Moment abzuwarten eine vakuumierte Meinung zu äußern.

    Danke Herrn Muschg welcher in einer sehr offenen Art und Weise an Entwicklung glaubt und sich dafür auch auf eine Diskussion einlässt. Im Gegensatz zu Nationalräten welche den Sinn noch immer darin sehen, offensichtlich kranke Systeme zu reparieren und ganzheitliche Entwicklung im Keim mit Ignoranz zu ersticken. Das Modell heisst: „Das haben wir schon immer so geMACHT“.

    So wird von den Initianten, welche einen Gedankenanstoß geben, sich für eine menschenwürdige Zukunft einsetzen und das Wohl eines jeden Individuums als oberstes Prinzip sehen (Gegner wären da nicht ausgeschlossen) verlangt, das Modell so zu präsentieren, dass es funktioniert, lässt sie aber kaum einmal ausreden. Ist nicht einmal bereit im Rahmen eines kreativen Prozesses MIT ZU-DENKEN und zu schauen ob hinter der statistischen, starren Realität vielleicht eine bewegliche, regulierende Realität zum Vorschein kommen könnte.

    Vielleicht im Ansatz mal MIT-REDEN und der Grund- oder Parteihaltung wegen DAGEGEN-REDEN. Das ist für mich Konservatismus und damit lässt sich kaum etwas bewegen ausser Unsicherheit und Angst.

    Dazu sage ich den Initianten und Verteidigern des aktuell herrschenden Systems, wer übernimmt die Verantwortung für die globale und soziale Zerfalls-Strategie, die Berge von Leichen, welche man unter den Teppich wischt, einer vorherrschenden Meinung die den Sinn darin sieht, dass „gute“ Arbeit (davon ausgeschlossen Dienstleistungen etlicher Art zu Grundlohnbedingungen) genug Geld aufs Konto einer spekulierenden Bank schwemmt, damit sich eine kleine elitäre Gruppe einen Platz auf der Arche sichern kann und den grossen Rest im Wasser ersaufen lässt, weil das Boot voll ist.

    Da bin ich der respektvollen Meinung von Herrn Muschg nahe und möchte wenigstens im Ansatz Gewissheit haben dass der Mensch wenigstens ansatzweise versucht zu vestehen, bevor er weiter investiert in die Vertuschung und Rettung einer degenerativen, vergangenen Entwicklung.

  3. Pingback: beziehungsweise – weiterdenken : Doch, da kann man was machen!

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